Karostar Musikhaus Ornament

Karostar - Musikhaus St. Pauli - Büros, Läden und Tonstudios für junge Unternehmen aus der Musikbranche.


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Not macht spendabel: Seit Universal die Stadt verlassen hat, bangt Hamburg um seinen Ruf als Musik-Standort. Davon profitieren jetzt junge Kulturschaffende. Denn die Stadt baut ihnen ein Obdach

Großes ist geplant in St. Pauli. Das Gelände zwischen Schlachthof und Bahngraben, das bis vor kurzem aus einem häßlichen Parkplatz und einem noch häßlicheren Rasen bestand, wird ab Dezember das "Musikhaus Karostar" beherbergen. Auf 2.500 Quadratmetern sollen junge Unternehmen und Existenzgründer aus der Musikbranche ansässig werden, die hier zu günstigen Konditionen Büros mieten können. Und es scheint attraktiv genug zu sein für Labels, Vetriebe, Tonstudios und Bookingagenturen - nahezu die gesamte Fläche wird zur Eröffnung bezogen sein.

Kurt Reinken ist Projektleiter des Karostern und seit zwölf Jahren bei der Stadterneuerungs- und entwicklungsgesellschaft (STEG) für den Bereich St. Pauli zuständig. Er wirkt zuversichtlich, dass der Karostern fester Bestandteil des Viertels wird: "Nach dem Weggang von Universal Records war die Aufregung ja zunächst groß - was soll nun aus dem Musikstandort Hamburg werden?" Reinken überlegte sich, wie die STEG die Branche unterstützen kann. "Gerade St. Pauli ist besonders wichtig für die hiesige Musikszene, und da an der Rinderschlachthalle ein Areal vorhanden war, fiel die Wahl auf ein Haus der Musikwirtschaft."

Mit derartigen Existenzgründerzentren hat man schon öfter gute Erfahrungen gemacht. Auf St. Pauli entstanden in den letzten Jahren bereits Bürogebäude, in denen sich junge Unternehmen niederlassen konnten. "Unser Ziel ist es schließlich", so Reinken, "Arbeitsplätze zu schaffen. Man muss sich vor Augen halten, dass St. Pauli ein strukturschwacher Stadtteil mit viel Arbeitslosigkeit ist." Kreative Berufe sollten gefördert, Selbstständige ermutigt werden. "Und das wurde bisher gut angenommen. Zusammen mit dem Karostern werden wir bei etwa hundert Existenzgründungen sein."

Einer übertriebenen Anfangseuphorie will Reinken entgegenwirken - gerade in dem wenig berechenbaren Musikbusiness. "Ich versuche, die Situation möglichst nüchtern darzustellen", sagt er. "Es wird eine hohe Fluktuation geben, aber die ist in einem gewissem Maße auch gewünscht. Erfahrungsgemäß verlassen viele unsere Gebäude deswegen, weil sie eine größere Location benötigen und sich diese auch leisten können. Einige auch, weil sie einen guten Job bekommen haben. Pleiten gibt es nur selten."

Zu den ersten Mietern wird auch das Label Grand Hotel van Cleef gehören. Marcus Wiebusch, Mitbegründer und Sänger von kettcar, bleibt realistisch: "Ich will die Hoffnung nicht wegschmettern, aber ich weiß, dass es für viele schwer sein wird. Und deswegen ist es nichts Schlechtes, das ganze so geballt zu haben - weil jeder von der Erfahrung der anderen profitieren kann."

Auf der Website des Karostern heißt es, das Gebäude solle sich als Standort für "Pionierbetriebe" profilieren. Kritische Stimmen wenden ein, dass eine Szene mit einer hohen Vernetzung wie die Hamburgs so etwas nicht mehr benötigt, gerade in einem Viertel wie St. Pauli. Auch für das Grand Hotel selbst war der Synergieeffekt jedoch nicht der Hauptgrund für den Einzug in den Neubau. Das Label sitzt seit Jahr und Tag in einem Büro, in dem es "zugeht wie in einem Taubenschlag". Für den selben Mietpreis wird man im Karostern nun doppelt so viel Platz haben. Da der Karostern weiterhin im Besitz der Stadt bleiben wird, muss lediglich kostendeckend gearbeitet werden. "Der Immobilienmarkt könnte solche Büroeinheiten, wie es sie im Karostern gibt, gar nicht bieten - er wäre einfach zu teuer für Unternehmen, die profitorientiert arbeiten", sagt Reinken. Der Hamburger will den Karostern auch nicht losgelöst vom Rest der Szene sehen: "Unser Ziel ist ja nicht, dass ein paar Leute isoliert in diesem Gebäude sitzen. Es herrscht eine rege Kommunikation in dieser Szene. Es geht uns darum, dass auch Synergien in den Stadtteil fließen. Der Karostar soll ein Selbstgänger werden."

Marcus Wiebusch sitzt im "Expertenbeirat", einer Handvoll Vertreter aus der Branche, bei denen sich Kurt Reinken gerne Feedback einholt: "Wir können Häuser bauen. Aber von Musikwirtschaft haben wir keine Ahnung. Mir war es wichtig, den Ball zurückzuspielen. So bleibt auch der Bezug zum Viertel erhalten. Mit irgendwelchen großen Companies wollte ich eh niemals reden".

Wiebusch überraschte die Anfrage: "Wir waren wie vom Donner gerührt, als wir das erste Mal von dem Projekt hörten. Ich hätte so etwas in Hamburg nie für möglich gehalten, und dann wurde ich eben auch noch gefragt, ob ich eine beratende Funktion übernehmen könnte."

Auffällig ist, dass die Erwartungshaltungen an das Projekt von beiden Seiten ohne Überschwang auskommen. "Ob es zur Zusammenarbeit mit vielen anderen Mietern kommen wird, liegt schlicht an der Zusammensetzung", so Wiebusch. Er findet es vorteilhaft, dass der Digital-Vetrieb finetunes im selben Haus ansässig sein wird. Doch am erfreulichsten ist für ihn etwas anderes: "Zum ersten Mal hat Berlin keinen strukturellen Vorteil vor Hamburg."

Von Rasmus Engler

ZUENDER, das Netzmagazin der ZEIT,
Ausgabe 37 / 2005



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Karostar - Musikhaus St. Pauli - Ein Projekt der STEG Hamburg - Kontakt: +49 (40) 43 13 93 - 0
http://www.karostar.de/Newsarchiv/musikstandort-hamburg.html
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