Karostar Musikhaus Ornament

Karostar - Musikhaus St. Pauli - Büros, Läden und Tonstudios für junge Unternehmen aus der Musikbranche.


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Die Branche zieht ein - mit Platten und Trompeten

Musikhaus: Karostar die ersten Mieter sind da, am 20. Februar ist Eröffnung auf St. Pauli.

Von Birgit Reuther

"Die Birke ist ein Pionier. In Brachen wächst sie als einer der ersten Bäume", erläutert Gereon Klug. Mit 70er-Jahre-Scheitel und Retro-Brille sieht er nicht gerade aus wie ein Forstexperte. Aber daß er seinen neuen Laden "Hanseplatte" mit der zähen Pflanze bestückt, paßt. Denn Klug zählt zu den mehr als 35 Mietern, die derzeit in den Karostar, das neue Gründerzentrum für die Musikszene, einziehen. Eine Pionierphase. Nicht nur für die Konzertveranstalter, Label und Musiker, Promotionagenturen und Vertriebe, die künftig am Neuen Kamp 30 auf 2500 Quadratmetern arbeiten. Auch für die Stadt, die das Projekt entwickelte. 5,4 Millionen Euro kostete der Bau zwischen Karoviertel und Sternschanze, je eine Million stammt vom EU-Förderprogramm Efre sowie der Wirtschaftsbehörde.

Zur Eröffnung am 20. Februar treten lokale Bands auf - zwischen weißen Stämmen, die vom Boden bis zur Decke ragen. Denn Klug und die Kollegen Eva Schmid und Ertu Eren bieten nur Tonträger, Filme und Merchandise von Hamburger Musikern an. Von Heidi Kabel bis Kante. "Viele große Plattenfirmen sind weg, aber die Kreativen leben noch in Hamburg. Das wollen wir darstellen", sagt Klug. Der Umzug von Firmen wie Universal nach Berlin gab auch der Stadtentwicklungsgesellschaft vor gut drei Jahren den Impuls für Karostar. "Das Klein-Klein-Konzept haben wir uns in England abgeguckt", sagt Kurt Reinken. Mit großen Schritten durchmißt der Projektleiter die Gänge des roten Riegels, dessen 33 Büros mit Größen von 15 bis 90 Quadratmetern auf junge Unternehmen zugeschnitten sind. Wände aus Magnesia-Estrich, Boden aus Beton. Marke unkaputtbar. "Das ist hip. Gucken Sie mal bei Habitat." Reinkens Stimme: ein Echo. "Das Hallproblem kriegen wir noch in den Griff."

Mit "Hallo" rauscht er an der Tür des Labels Grand Hotel van Cleef vorbei. Das Team um Marcus Wiebusch mußte Platten und Computer von seinem alten Sitz am Neuen Kamp 25 nur über den Platz zwischen Schlachthof und Karostar tragen. Auf die Planken aus "zertifiziertem Tropenholz", wie Reinken betont, soll nicht nur der Flohmarkt zurückkehren. "Hamburgs erster Holzplatz" mit Kapazität für bis zu 3000 Menschen und Tribüne ist ideales Pflaster für Konzerte. "Das wird aber keine Dauerveranstaltungslocation", sagt Reinken.

Das tägliche Leben soll ohnehin drinnen pulsieren. Und zwar "business-to-business". Das heißt: Bis auf die vier Läden bleibt der Karostar frei von Laufkundschaft. Dafür gibt's auf jeder der zwei identisch gebauten Etagen einen "Meeting Point" - eigentlich der Flur, in den Treppenhaus und Fahrstuhl münden. "Hier muß jeder durch", stellt Reinken fest. Küche und Sitzquader sollen zum Verweilen einladen. Auf Infrastruktur wie ein Kopiergerät sind Maya C. Sternel und Andreas Rathmann vom HipHop-Label Rudel Records angewiesen. Eben haben sie die Schlüssel zu ihren 28 Quadratmetern erhalten. "Wir hoffen, mit den anderen im Haus viel zu bewegen", sagt Maya. Ein Ort der Kontraste. Denn mit dem Ensemble Resonanz zieht auch die Verwaltung eines 18köpfigen Klassikorchesters ein. Ob da Synergieeffekte eintreten, muß sich erweisen.

"Wir haben hier alle tierisch viel zu tun. Heute macht ja jeder den Job von früher mindestens fünf Leuten", sagt Andrea Rothaug. "Zum Plaudern bleibt da wenig Zeit." Die Geschäftsführerin von RockCity hockt noch zwischen Kartons. Als "Mutter der Szene" berät der Verein bei allen Fragen des Musikgeschäfts. Wegen dieser Vernetzung wurde Rothaug früh in die Planung eingebunden. Doch sie ist kritisch: "Die Branche ist in der Konsolidierungsphase. Daher passen die Karostar-Statuten nicht wirklich auf die Szene." Das Konzept sieht vor, daß die Mieter nach fünf Jahren ausziehen oder den unsubventionierten Marktpreis zahlen. "Es ist aber nicht so, daß dann alle Firmen so fett im Geschäft sein werden, daß sie sich das leisten können", vermutet Rothaug. Zugeständnis an die schnellebige Branche ist ein Sonderkündigungsrecht von nur einem Monat. Bleibt also abzuwarten, wie zäh die Birken wuchern.

Hamburger Abendblatt,
erschienen am 27. Januar 2006


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Karostar - Musikhaus St. Pauli - Ein Projekt der STEG Hamburg - Kontakt: +49 (40) 43 13 93 - 0
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