Karostar - Musikhaus St. Pauli - Büros, Läden und Tonstudios für junge Unternehmen aus der Musikbranche.
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Hier spielt die Musik
Dass der Medienstandort Hamburg im Wettbewerb mit Berlin mithalten kann, verdankt er auch seiner lebendigen Musikszene - ein Grund mehr, den kreativen Nachwuchs zu fördern. Zwei gute Beispiele: Mit dem Karostar Musikhaus entsteht gerade ein neues Zentrum für Existenzgründer aus der Branche. Und der Deutsche Rock&Pop-Preis fördert seit 23 Jahren erfolgreich neue Talente.
Die Musikkultur ist einer der prägenden Faktoren für das Image unserer Stadt. Das beweist eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Hamburg Marketing GmbH. Befragt wurden Firmen und Privatpersonen. Auf die Frage, was zu ihrem Bild von Hamburg gehört, lautet eine der meistgenannten Antworten bei beiden Gruppen: Die "pulsierende Musik- und Clubszene". Die befragten Privatleute nannten darüber hinaus ausdrücklich die „junge Musikszene“. Dieses Empfinden lässt sich mit Zahlen untermauern. Von den 12406 Medienunternehmen zählen 910 Firmen zur Musikwirtschaft. Damit ist Hamburg Deutschlands Musikstadt Nummer eins.
Es gibt eine kreative Szene, eine Vielzahl großer und kleiner Labels, Studios, Musikverleger, Konzertveranstalter und andere Dienstleister wie Medienanwälte, Künstler- und Eventagenturen. Mit dem Umzug von einem Teil der Musik- und Medienbranche nach Berlin hat die Hansestadt in den vergangenen Jahren Konkurrenz bekommen. Der Standort Hamburg sei jedoch auch in Zeiten der allgemeinen Krise der Tonträgerindustrie keineswegs gefährdet, meint Klaus-Michael Karnstedt, Vorstandsvorsitzender für Europa des internationalen Musikverlages Peermusic: "Berlin will eine Musikszene aufbauen und probt noch – in Hamburg wird schon aufgeführt."
Was die Hansestadt als Musikstandort nach wie vor auszeichnet, ist die Bandbreite des musikalischen Geschehens und die große Vielfalt der Unternehmen. Für die zwei Dutzend kleinen Labels, die "Independents", existiert "eine famose Infrastruktur", wie Carol von Rautenkranz, Geschäftsführer von Lado Musik, erklärt: "Kurze Wege erleichtern den persönlichen Kontakt. Man findet seine Musiker an jeder Ecke, das spart Zeit bei der Talentsuche."
Auch die "Majors", die führenden Plattenfirmen, wie die Warner Music Group und Edel Music haben hier ihren Sitz. Hinzu kommen Musikverlage, darunter klangvolle Namen wie EMI, Peermusic oder Freibank. Hamburgs musikalisches Herz aber schlägt auf St. Pauli: Die 70 Musikclubs rund um die Reeperbahn bilden eine weltweit einzigartige Clubszene.
International bekannt sind auch Hamburgs Konzertveranstalter wie die Karsten Jahnke Konzertdirektion. Große Spielstätten wie die Color Line Arena, die AOL-Arena oder die Laiszhalle sind die Bühnen der internationalen Stars. Darüber hinaus ist Hamburg mit der Stage Holding GmbH, die Erfolgsstücke wie "Mamma Mia" und "Der König der Löwen" produziert, Deutschlands Musical-Hauptstadt.
An der Zukunft des Musikstandorts Hamburg arbeiten mehrere Initiativen und Organisationen. Dazu gehört seit 1987 RockCity Hamburg, ein gemeinnütziger Verein von Musikschaffenden. Unter seiner Regie agiert auch das Clubkombinat Hamburg, in dem seit einem Jahr über 30 Clubbetreiber miteinander vernetzt sind. RockCity ist die älteste und erfahrenste Institution dieser Art in Deutschland.
Das Erfolgsrezept formuliert Geschäftsführerin Andrea Rothaug so: "Marktkenntnis, Szenenähe und Kontinuität. Wir pflegen den direkten Draht zur Subkultur ebenso wie zu den Behörden“. Innovative Konzepte wie die „Nacht der Clubs" oder "Rockspektakel" gehen auf die Initiative von RockCity zurück. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Unterstützung der Musiker, Texter und Komponisten. "Wir bieten allen, deren Berufsziel das Schaffen von Musik beinhaltet, umfassende Beratung, und zwar von der Idee zum Produkt", so Rothaug. Und mit der im März 2004 gegründeten "Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft" gibt es einen Ansprechpartner für übergreifende Themen der Hamburger Musikwirtschaft.
Der Stadtteil St. Pauli ist mit mehr als 100 kleinen Betrieben aus der Musikwirtschaft schon heute der Standort der Kreativen in Hamburg. Und erst kürzlich wurde auf dem ehemaligen Schlachthofgelände am U-Bahnhof Feldstraße das Richtfest für ein Gebäude gefeiert, dass die Szene des Stadtteils weiter bereichern soll: Das Karostar Musikhaus St. Pauli. Der Neubau ist ein Projekt der Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg (STEG). Hier sollen Gründer und junge Unternehmen aus der Musikwirtschaft Fuß fassen. "Karostar ist das i-Tüpfelchen bei der Quartiersentwicklung des Karolinenviertels und es stärkt die Verbindung zum Schanzenviertel", sagt STEG-Geschäftsführer Hans Joachim Rösner. Das Gebäude bietet auf rund 2500 Quadratmetern Platz für 33 Büros zwischen 15 und 90 Quadratmetern, drei Tonstudios und Ladengeschäfte zu günstigen Mieten. Die zukünftigen Mieter teilen sich Konferenzraum, Kopierer und Küche. Insbesondere mit den Kleinstbüros erhält der Nachwuchs eine Chance, sich auszuprobieren und seine Talente zu entfalten. So will Jörg Tresp als Geschäftsführer des neuen Labels Devil Duck Records musikalische Nischen abdecken: "Wir erwarten von der Idee, mehrere Start-up-Firmen unter einem Dach zu vereinen, ein angenehmes musikaffines Umfeld, in dem es Spaß macht zu arbeiten." Ähnlicher Meinung ist Thomas Römann, Geschäftsführer des Systemhauses Digital Audio Service, das Equipment und Beratung rund um Audio und AV-Produktionen bietet. „Heute ist es enorm wichtig, am Puls der Zeit zu sein. Im Karostar sehen wir eine der besten Möglichkeiten in Hamburg, kreatives Talent, wirtschaftliches und technisches Know-how zusammen zu bringen.“ Das sei vor allem für Neulinge in der Szene, die sich noch Kontakte erarbeiten müssen eine große Chance. Attraktiv für Gründer: Die Mieter können kurzfristig zu jedem Monatsende kündigen. "Wir haben die Interessen und Bedürfnisse der Unternehmen aus der Musikbranche bei der Konzeptentwicklung berücksichtigt", so STEG-Chef Rösner.
Durch einen angegliederten Platz mit Sitztribünen für Events wie Konzerte und Open-Air-Filmvorführungen wachsen Schanzen- und Karolinenviertel ab Ende diesen Jahres auch architektonisch weiter zusammen. Das kommt dem Stadtteil ebenso zugute wie die neue Tiefgarage. Das Projekt kostet insgesamt 5,4 Millionen Euro und wird mit je einer Million Euro von der Europäischen Union und von der Behörde für Wirtschaft und Arbeit unterstützt.
Hamburg ist aber auch Talentschmiede für den kreativen Nachwuchs. Hier wird am 21. November zum 23. Mal der "Deutsche Rock & Pop Preis" vergeben. Über 1500 Musiker aus ganz Deutschland nehmen am Festival teil, bei dem sich auch spätere Erfolgsbands wie "Pur" oder "Juli" erste Lorbeeren holten. Der europaweit bekannte Preis ist Deutschlands ältester und größter Nachwuchswettbewerb für Musikgruppen und Einzelinterpreten. Ausgezeichnet werden die Talente in 32 Genres. Die Organisatoren, die Deutsche Popstiftung und der Deutsche Rock & Pop-Musikerverband, in dem 4000 Musiker und Bands organisiert sind, heben sich durch diese Vielfalt von anderen Wettbewerben ab.
"In die Kunst und Kultur der Jugend zu investieren, heißt, in die Zukunft Deutschlands zu investieren", sagt Vorstand Ole Seelenmeyer. Die Preisträger in den Hauptkategorien erhalten eine einjährige Förderung, die eine professionelle Band- und Künstlerbetreuung umfasst. Unterstützung bekommt aber nur, wer selbst aktiv wird. "So müssen wir uns mit Bereichen wie Business und Recht auch selbst auseinandersetzen", lobt Adrian Warner, der mit der Band Rearview 2004 in der Kategorie Pop gesiegt hat, das Konzept. "Vor allem aber profitieren wir von Kontakten, die wir sonst nie bekommen hätten."
Die Preisverleihung ist aber nicht nur eine Plattform für den Nachwuchs, sondern auch Treffpunkt von etablierten Stars und Persönlichkeiten aus dem Umfeld der Musikwirtschaft. Wünschenswert wäre eine langfristige Unterstützung durch Sponsoren, die trotz kontinuierlicher Erfolge und eines bundesweiten Presseechos bislang noch fehlt.
Andrea Rebensburg
hamburger wirtschaft, Magazin der Handelskammer Hamburg
Ausgabe 09 / 2005
Karostar - Musikhaus St. Pauli - Ein Projekt der STEG Hamburg - Kontakt: +49 (40) 43 13 93 - 0
http://www.karostar.de/Newsarchiv/existenzgruender-musik.html
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