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SERIE HAMBURGS KULTURMARKETING AUF DEM PRÜFSTAND - TEIL 2: WAS WOANDERS PASSIERT Tue Kreatives und rede ständig darüber
Was passiert, wenn man seine Kulturszene gut bewirbt? Ein Überblick zeigt, wie erfolgreich sich Städte und Regionen profilieren.
Joachim Mischke
Hamburg - Die "Süddeutsche Zeitung" konstatierte kürzlich, dass es anscheinend eine Art Renaissance der Renaissance gebe, die "Wiedergeburt einer geistigen Städte-Konkurrenz, wie sie sich jahrhundertelang Pisa und Florenz geliefert haben: um die großartigsten Bildwerke, die schönsten Kirchen, die genialsten Künstler, die begnadetsten Musiker". Die religiösen Pilgerstätten sind mittlerweile durch kulturelle und sehr weltlich ausgerichtete Publikumsmagnete abgelöst geworden, doch die historische Parallele macht durchaus Sinn. Und der Blick über Hamburgs Stadtgrenzen zeigt, dass andernorts nicht geschlafen wird. Im Gegenteil. Basel beispielsweise machte pünktlich zur Hamburger "Langen Nacht der Museen" auf sich aufmerksam. Die Basler Star-Architekten Herzog & de Meuron bauen die Elbphilharmonie, das ist dem kulturell interessierten Zielpublikum hier inzwischen bekannt. Da ist es nur konsequent, Partner der "Langen Nacht" zu werden und die Hamburger mit Anzeigen auf die erstaunliche Basler Museumslandschaft hinzuweisen und rechtzeitig Journalisten einzuladen, die erstaunt und erfreut berichteten, dass Basel mit seinen 190 000 Einwohnern auf 37 Quadratkilometern rund 40 Museen vorweisen kann, die meisten davon durch große Unternehmen privat finanziert.
Kultur-Boomregion Ruhrgebiet
Was im Kleinen klappt, funktioniert, genügend Spielraum und Spielgeld vorausgesetzt, auch im Großen. Wer wäre noch vor einigen Jahren darauf gekommen, dass das Ruhrgebiet sich als Kulturregion von Grund auf neu erfinden kann und dass irgendjemand außerhalb von Nordrhein-Westfalen diese Anstrengungen wirklich ernst nimmt? 2010 ist es so weit. Dann ist der strukturgewandelte, entrußte und begrünte Kohlenpott der Nation "Europas Kulturhauptstadt". Alle wichtigen Weichen für den Publikumsandrang werden natürlich schon jetzt und unter höchstem Erfolgsdruck gestellt, 53 Kommunen ziehen nun an einem Strang. Beim Marketing passiert das über den Regionalverband Ruhr (RVR), der das Ruhrgebiet seit 2006 als "Metropole Ruhr" vermarktet. Die touristische Seite dieses Themas übernimmt traditionell die Ruhrgebiet Tourismus GmbH, eine Tochtergesellschaft der RVR mit einem Etat von einer Million Euro. So sind die Aufgaben klar verteilt, aber - anders als in Hamburg - unter einem Dach. Zudem ist seit Ende 2006 ein neuer Player im Spiel, die Ruhr 2010 GmbH, die für den Zeitraum von 2008 bis 2011 satte 48 Millionen Euro für Programm, Personal und Marketing ausgeben kann. Schätzungen der RVR gehen davon aus, dass die bislang drei Millionen Ruhr-Touristen jährlich wegen des Themas Kulturhauptstadt um 30 Prozent steigerungfähig sind. Auch für die Zeit danach, die Bauten und Konzepte brechen ja nicht zum 31. Dezember 2010 in sich zusammen, rechnet man mit einem Zuwachs von 15 Prozent. Die Kommunen beteiligen sich mit jährlich 2,4 Millionen Euro an "Ruhr 2010", in der Planung ist das zusätzliche Projekt "Local Heroes - 52 Wochen, 52 Städte", bei dem jede Woche des Jahres 2010 ein anderer Ort im Mittelpunkt der Kulturhauptstadt-Veranstaltungen steht. Auf die Fragem, was einzelne Ruhr-Kommunen angesichts dieser Goldgräber-Stimmung in Kultur investieren würden, antwortete der "Ruhr 2010"-Sprecher Jens Hapke kategorisch: "Eines ist sicher: Bis 2010 wird nirgendwo im Kulturbereich gespart."
Was passiert, wenn man seine Kulturszene gut bewirbt? Ein Überblick zeigt, wie erfolgreich sich Städte und Regionen profilieren.
Berlin wirbt mit zehn Künstlern und zehn Koffern in New York
Ein Thema, das in Hamburgs Kultur-Profil bislang eher kleingedruckt ist: Design. In Berlin ist das jahrelang kaum anders gewesen. Doch kürzlich wurde Bürgermeister Klaus Wowereit von der "Initiative Creative Berlin" mit zehn Künstlern und zehn Alu-Koffern nach New York eingeladen, um mit der Aktion "Koffer aus Berlin" die Werbetrommel zu rühren. Schließlich hatte die Unesco Berlin 2006 als erste deutsche Stadt mit dem Titel "City of Design" beehrt. Außerdem organisierte man im MoMA-Mitbringselladen eine Verkaufsausstellung namens "Destination Berlin". Kleinkram, der aber, durch das MoMA-Gütesiegel aufgewertet, auch Eindruck macht. Im November folgt unter anderen Vorzeichen das zweiwöchige Konzertfestival "Berlin in Lights" in der Carnegie Hall, bei dem neben den Berliner Philharmonikern auch Film, Architektur, Kunst und Kabarett präsentiert werden. "Die Carnegie Hall ist in diesem Fall auf uns zugekommen", berichtete Wowereit. Sollte das stimmen, wäre es ein Coup.
Mannheim: Gut kopiert und viel gewonnen
Die Devise "Stärken stärken", mit der auch die Hamburg Marketing GmbH gern argumentiert, wird andernorts clever umgesetzt. Mannheim beispielsweise zeigt, dass man nicht unbedingt als Erster eine gute Idee haben muss, um damit Punkte zu sammeln. Die dortige Popakademie wurde 2003 nach dem Vorbild des Kontaktstudiengangs Popularmusik der Hamburger Musikhochschule eingerichtet, es gibt seitdem auch ein Existenzgründerzentrum à la Hamburgs "Karostar". Doch die Kopie wird viel vehementer fürs Stadtmarketing genutzt als das Hamburger Original, das eher von hanseatischer Zurückhaltung umflort ist. Zum 400. Geburtstag der "Musikstadt Mannheim" hat man einige berühmte Söhne und Töchter Mannheims in ein Aufnahmestudio geholt, um den Song "Meine Welt" einzuspielen, als klingende Visitenkarte fürs rockige Örtchen. Joy Fleming, Uwe Ochsenknecht und andere Lokalgrößen sind dabei, die Streicher-Begleitung kommt vom Kurpfälzischen Kammerorchester, komponiert hat das Ganze ein Popakademie-Absolvent. Diese Idee steht im Mittelpunkt einer Werbe-Rundreise nach Berlin, Köln und München. Dann landet jeweils für eine Woche auf zentralen Plätzen ein begehbarer Multimedia-Würfel, der abends zur Lichtskulptur wird und ein Klanglabor beinhaltet, um Remixe des Songs zu basteln. Nach Hamburg kommt das Projekt "Klang der Quadrate" nicht. Angeblich, weil man hier von der Idee nicht allzu begeistert war, dem Mannheimer Modell-Nachbau auch noch ein Forum bieten zu sollen. Für Image-Pflege gibt Mannheim etwa 1,5 Millionen Euro jährlich aus, die Sonder-Aktion mit dem Quadrat hat man sich deutlich über eine Million Euro kosten lassen, drei Viertel dieser Summe wurden privat finanziert.
An eindeutigen Zahlen und Erfolgen herrscht überall in der Republik kein Mangel. So ließen Kulturtouristen in der anderen Elbmetropole Dresden 2005 rund 1,5 Milliarden Euro in der Stadt - fast ein Zehntel des Dresdner Primäreinkommens, von dem 28 000 Menschen leben. Magdeburg dachte sich den nicht ganz unpassenden Slogan "Magdeburg überrascht" aus, um auf seine verborgenen Reize aufmerksam zu machen, und verteilte Image-Broschüren in überregionalen Zeitungen. Eine halbwegs benachbarte Stadt konterte mit "Halle verändert". Und wo wir schon im Osten sind: Obwohl Johann Sebastian Bach nur wenige, gänzlich unkreative Jahre in seiner Geburtsstadt Eisenach verbrachte, zehrt das 40 000-Seelen-Städtchen noch heute davon und hat gerade unter großer medialer Anteilnahme die Neubau-Erweiterung des Bachhauses vollzogen. Das Museum führt mit 60 000 Besuchern jährlich die Liste der 35 deutschen Musiker-Gedenkstätten an.
Was passiert, wenn man seine Kulturszene gut bewirbt? Ein Überblick zeigt, wie erfolgreich sich Städte und Regionen profilieren.
Beispiele, die mehr und mehr Schule machen, weil sie zeigen, was möglich ist, wenn man Kreativität auch kreativ bewirbt. Schon der materielle Nutzen ist immens. Der ideelle jedoch erst recht. "Im Wettbewerb der Städte geht es nicht um die besten Produkte, sondern um die beste Kommunikation", betonte Joachim Vossen vom Institut für Stadt- und Regionalmanagement der Uni Göttingen. Dann müsste die selbst ernannte Kultur- und Medienmetropole Hamburg ja die besten Voraussetzungen haben.
HAMBURGER ABENDBLATT - erschienen am 2. Juni 2007
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Karostar - Musikhaus St. Pauli - Ein Projekt der STEG Hamburg - Kontakt: +49 (40) 43 13 93 - 0
http://www.karostar.de/Newsarchiv/Tue-Kreatives.html
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