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OPEN-AIR-KULTUR WIE LEISE KANN DER WEG ZUR KULTURMETROPOLE SEIN? - Letzter Akkord um 19 Uhr . . .

Der Streit um das neue Amphitheater am Pudel Klub ist symptomatisch für die Situation öffentlicher Spielstätten.

Von Birgit Reuther

Hamburg - Junges Szenevolk hockt bei Milchkaffee, Limo und Alster in der Sonne, lauscht entspannten Klängen des DJs, amüsiert sich bei Lesung und Live-Musik. Eltern schaukeln ihre Kinderwagen lässig im Takt. Ein paar Meter weiter picknicken Cliquen auf den grünen Hügeln des Anwohnerprojekts Park Fiction. Ein St.-Pauli-Sommeridyll.

Doch nun steht auf der Kippe, ob diese Fläche überhaupt kulturell genutzt werden darf - ein für Hamburg nicht untypisches Phänomen. Mit dem Amphitheater, das das Altonaer Gartenbauamt in Koordination mit dem Golden Pudel Klub errichtet hat, ist eine der schönsten Freiluftbühnen Hamburgs entstanden. Stufen aus Elbsandstein schmiegen sich in den Hang, der Blick schweift über den soeben sanierten Klub hin zu Elbe und Hafen.

Mehr als 400 Gäste begrüßte Pudel-Mitbegründer Rocko Schamoni vergangenen Sonntag ab 15 Uhr zum Festival "Zwergenaufstand", das der Musiker-Verein RockCity initiiert hatte. Zum ersten Mal wurde das neue Areal bespielt. Ein Erfolg. Nicht nur für den - u. a. von der Kulturbehörde - mehrfach prämierten Klub, sondern auch für Hamburg. Denn mit solch kreativen Freiräumen kann eine Stadt, die Kulturmetropole werden will, an Weltoffenheit und Coolness punkten. Ein Erfolg - bis das Festival kurz nach 19 Uhr auf Drängen der Polizei geräumt werden musste. Ein Anwohner hatte sich beschwert. Versuch macht klug, dachten sich die Klubbetreiber und stellten für die geplante offizielle Eröffnung am 21. und 22. Juli einen Antrag beim Bezirksamt Altona. Der erst mal abgelehnt wurde. "Kein öffentliches Interesse", so die Begründung des Amtes, das die Spielstätte ja selbst erbaut hatte. Schilda lässt grüßen.

Das Beispiel ist symptomatisch: Erst schafft die Stadt Orte, die geradezu nach Konzerten und Kulturprogramm schreien, um sie dann mehr oder minder brachliegen zu lassen. Es mutet widersprüchlich an, dass bei der U-Bahn-Station St. Pauli ein riesiges Transparent für die "Musikmeile Reeperbahn" wirbt, während die beiden Schiebebühnen auf dem Spielbudenplatz meist bloß den Rahmen bieten für Märkte aller Art. Das Eröffnungskonzert des Reeperbahn-Festivals 2006 mit Tomte zeigte, wie die Fläche jenseits kommerzieller Buden genutzt werden kann. Die Musik jedoch war so leise, dass in der Mitte des Platzes ein Teekränzchen hätte stattfinden können. Wer als Musikstandort mindestens national gehört werden möchte, muss jedoch auch mal die Boxen aufdrehen. Sonst gehen die Künstler dahin, wo die Stadt den Kreativen die Tür aufhält, nach Berlin etwa.

Zweites Beispiel: der Holzplatz zwischen dem Musikgründerzentrum Karostar und dem Schlachthof am Neuen Kamp. "Bisher habe ich für den Platz bewusst kein Nutzungskonzept erstellt", sagt Kurt Reinken, Projektleiter der Stadtentwicklungsgesellschaft. Der Lärm sei das Kernproblem. Die Bewohner des Karolinenviertels seien durch Messe, Dom und aktuell die Harley Days ohnehin schon stark belastet. Andererseits hält er drei bis vier Konzerte im Jahr für zumutbar. Das Clubkombinat, das Hamburgs Klubs vertritt, stellt sich angesichts von Massenveranstaltungen wie dem Schlagermove die Frage, warum gewachsene Stadtteil- und Subkultur nicht von ebenso großem "öffentlichen Interesse" sei, und fordert ausgewiesene "Kulturzonen" im öffentlichen Raum.

Der Streit um das neue Amphitheater am Pudel Klub ist symptomatisch für die Situation öffentlicher Spielstätten.

In puncto Pudel-Klub zeigte sich auf Nachfrage des Abendblatts, dass zwischen Bürokratie und Gesetzen noch Platz sein kann für ein eindeutiges Bekenntnis zur Kultur im Herzen der Stadt. "Das Bezirksamt will die Eröffnungsveranstaltung möglich machen", sagte Altonas Pressesprecher Rainer Doleschall - und organisierte noch am Freitag ein Gespräch zwischen Amt und Klubbetreibern. Und weiter: "Wir sind dabei, öffentliches Interesse herzustellen."

HAMBURGER ABENDBLATT - erschienen am 14. Juli 2007
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